Die Bedeutung der Antifa: Haltung, Praxis und (queere) Selbstverteidigung

Die Bedeutung der Antifa: Haltung, Praxis und (queere) Selbstverteidigung

Rot-schwarze Fahnen, viele Mythen: Was steckt hinter „Antifa“ - und was hat das mit queeren Leben zu tun? Wir ordnen Geschichte, Praxis und Gegenwart ein. Was heißt das für Pride, Schutzräume und für dich?

Ableismus Bedeutung: Systemische Barrieren in queeren Räumen Reading Die Bedeutung der Antifa: Haltung, Praxis und (queere) Selbstverteidigung 4 minutes Next cis Bedeutung: Begriff, Geschichte - und warum er politisch ist

Vielleicht hast du die roten und schwarzen Doppelfahnen schon auf Demos gesehen. „Antifa“ ist kein Verein, sondern ein Sammelbegriff. Dahinter stehen lose organisierte Gruppen, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Faschismus stellen - oft autonom, links bis linksextrem, ohne Chef*innen. Die Flagge? Rot für Sozialismus, schwarz für Anarchismus. Und ja: Eine bewusste Abgrenzung von rein rechtsstaatlicher Gegenwehr gehört dazu - aus der Erfahrung, dass Gesetze allein Gewalt von rechts nicht stoppen.

Bedeutung

Antifaschismus ist Haltung und Praxis. Es geht darum, rechten Strukturen den Raum zu nehmen, Betroffene zu schützen und Öffentlichkeit zu schaffen, wenn der Staat versagt oder zu langsam ist. Kurz gesagt: Solidarische Selbstverteidigung gegen Ideologien, die Menschen abwerten.

Herkunft & Kontext

Die Wurzeln reichen in die 1930er-Jahre: die „Antifaschistische Aktion“, visuell getragen von roten Fahnen (KPD, auch im Umfeld der SPD). Ab den 1980ern greift die autonome Szene das Logo neu auf; in den 1990ern verbreitet es sich in linksradikalen Bewegungen weiter (bpb/APuZ).

Im Grundgesetz steckt zugleich die Lehre aus dem NS: wehrhafte Demokratie. Menschenwürde (Art. 1), Schutz der freiheitlich‑demokratischen Grundordnung, bis hin zu Parteiverboten (Art. 21 Abs. 2). Antifa-Gruppen arbeiten, weil auch das NS-Regime aus einer Demokratie entstanden ist.

International ist „Antifa“ keine Zentrale, sondern eine lose Szene. Vielfalt statt Einheit: autonome, kommunistische und andere linke Strömungen, fragmentiert vernetzt.

Und der Kampfbegriff „linksfaschistisch“? Eine Diffamierung. Historisch und analytisch taugt er nicht als Kategorie - er lenkt vom tatsächlichen Problem rechter Gewalt ab.

Wie Antifa arbeitet

Organisierung: meist informell, ohne Hierarchien.

Mittel: von Demos, Recherche und Aufklärung über Blockaden, Schutz von Räumen und Veranstaltungen bis zu direkten Aktionen. Teilweise gehören auch militante Auseinandersetzungen dazu - etwa um rechten Akteur*innen den öffentlichen Raum streitig zu machen. Heißt konkret: Transparente Strategien plus kontroverse Debatten über Grenzen und Verantwortung (bpb/APuZ).

Queerer Kontext

Faschistische Ideologien setzen auf „Volksgemeinschaft“, heterosexuelle Kleinfamilie, starre Zweigeschlechterordnung. Alles, was davon abweicht, wird als Bedrohung markiert. Im NS bedeutete das u. a. die Verschärfung des § 175, Massenverfolgung homosexueller Männer und den rosa Winkel in KZs - ein Zeichen, das später von Teilen der LGBT-Bewegung als Widerstandssymbol reclaimt wurde (Arolsen Archives).

Nach 1945 blieb Diskriminierung: Der verschärfte § 175 galt in der BRD bis in die 1990er, viele Verurteilungen wurden erst spät rehabilitiert. Gedenkorte wie das Homomonument in Amsterdam und das Berliner Denkmal für die im NS verfolgten Homosexuellen verknüpfen diese Geschichte mit antifaschistischer Erinnerung - „Nie wieder“ aus queerem Blick.

Heute überschneiden sich Kämpfe ganz konkret: Rechtsextreme mobilisieren gegen CSDs, queerfeindliche Angriffe auf Pride-Veranstaltungen, Bars und Zentren nehmen zu - u. a. dokumentiert von LSVD und CeMAS/democ. Antifaschistische Strukturen sichern CSDs mit ab, und es gibt explizit queere Antifa-Initiativen - historisch etwa „Schwule Antifa“ und heutige trans* und queer geprägte Bündnisse.

Kurz gesagt: Für viele queere Communities ist Antifaschismus nicht nur demokratische Haltung, sondern kollektive Selbstverteidigung.

Was du tun kannst

  • Schau hin, benenne Codes und Organisierung von rechts. Dokumentiere Übergriffe - sicher, solidarisch, ohne Gefährdung von Betroffenen. 👉 Schutz geht vor.
  • Stärke Räume: von Pride-Orga über Awareness-Teams bis zu Nachbarschaftsstrukturen. Verbünde dich mit Initiativen vor Ort.
  • Unterstütze Rechtshilfe, Bildungsarbeit und Betroffenenberatung - mit Zeit, Skills oder Spenden.
  • Widersprich Diffamierungen („linksfaschistisch“ & Co.) und erinnere an Fakten: Queerfeindlichkeit ist ein Kernbaustein rechter Ideologie - historisch und heute.

Fazit

Antifa ist keine einheitliche Organisation, sondern eine Praxis: Menschen schließen sich zusammen, um rechten Ideologien etwas entgegenzusetzen - auf der Straße, in Clubs, in Parlamenten, in Erinnerungsarbeit. Für queere Leben heißt das: Wir schützen uns gegenseitig. 🛑 Nie wieder heißt jetzt.

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