Vielleicht hast du „cis“ schon in Debatten gesehen - und dich gefragt: neutraler Begriff oder Kampfbegriff? Kurz gesagt: „cis“ benennt eine Position in der Geschlechterordnung. Und genau darum geht's.
Bedeutung
„Cis“ (oder „cisgeschlechtlich“) beschreibt Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt - das Gegenstück zu „trans“. Es ist ein neutrales Adjektiv, kein Urteil. Der Begriff macht die vermeintliche Norm sichtbar und damit auch Privilegien und Erwartungen, die an cis Personen geknüpft sind (Cis‑Normativität, Cissexismus). Eine knappe Definition findest du u.a. beim Queer Lexikon.
Herkunft & Kontext
Die „cis/trans“-Gegenüberstellung hat eine längere Geschichte: 1914 setzte Ernst Burchard „Cisvestitismus“ gegen „Transvestitismus“. 1991 brachte Volkmar Sigusch „zissexuell“ in den deutschsprachigen Diskurs ein. Im Englischen prägte Dana Leland Defosse 1994 „cisgender“; Julia Seranos „Whipping Girl“ (2007) verbreitete den Begriff weiter. Seit 2015 steht er in Wörterbüchern. Diese Entwicklung ist u.a. bei Wikipedia dokumentiert.
Wie wird „cis“ benutzt?
„Cis“ hilft, Strukturen zu benennen - ohne trans Personen als „Abweichung“ zu markieren. Heißt konkret:
- „Ich bin eine cis Frau.“ - Selbstbeschreibung als Adjektiv.
- „Viele Regeln bevorzugen cis Menschen.“ - Hinweis auf Cis‑Privilegien.
- „Das ist cisnormativ.“ - Kritik an der Annahme, alle seien cis.
Solche Begriffe zeigen Machtverhältnisse - das ist politisch. Sie gehören zur Arbeit an Geschlechtergerechtigkeit und zur Queer‑Theorie, die Cissexismus und Cisnormativität analysiert (u.a. zusammengefasst in der englischsprachigen Wikipedia zu Cissexism/Cisnormativity).
Queer-/Community-Kontext
„Cis“ ist nützlich - und trotzdem: Die strikte Dichotomie „cis vs. trans“ kann nicht‑binäre und geschlechterfluide Identitäten ausblenden. Deshalb gilt: präzise sprechen, Menschen sich selbst bezeichnen lassen, nicht in Schubladen drängen. Sprache kann empowern - oder unsichtbar machen. Wir entscheiden, welche Praxis wir stärken. 👉 Frag nach, hör zu, benenne Machtverhältnisse.
Was du tun kannst
- Nutze „cis“ als Adjektiv - knapp, respektvoll, ohne Pathologisierung.
- Sprich über Privilegien und Normen, nicht über „Schuld“.
- Lass Selbstbezeichnungen stehen. Keine Fremdlabels aufzwingen.
- Achte darauf, nicht‑binäre und fluide Identitäten mitzudenken.
- Wenn Gegenwind kommt: ruhig bleiben, Begriff erklären, auf Strukturen verweisen.
Fazit
„Cis“ macht die Norm sichtbar - nicht um zu spalten, sondern um Gerechtigkeit möglich zu machen. Der Begriff hat Geschichte, ist heute etabliert und bleibt ein Werkzeug, um Ungleichheiten zu benennen. Kurz gesagt: klare Sprache, klare Solidarität. 🌈










