Vielleicht hast du „ableistisch“ schon gehört - und dich gefragt, was genau dahintersteckt. Spoiler: Es geht um weit mehr als offensichtliche Beleidigungen.
Bedeutung
Ableismus ist das System dahinter: die Idee, dass ein bestimmter Körper und ein bestimmter Geist der Normalitätsmaßstab sind - und alles andere Abweichung. Das zeigt sich individuell (abwertende Einstellungen und Handlungen, oft als Disablismus bezeichnet) und strukturell: Regeln, Gebäude, Abläufe, die Menschen mit Behinderung als „anders“ markieren und ausschließen. Kurz gesagt: Ableismus funktioniert analog zu Sexismus oder Rassismus - nur entlang der Achse „fähig vs. nicht fähig“ (u.a. dokumentiert von Wikipedia, bpb.de).
Herkunft & Kontext
Der Begriff kommt aus den US-Disability Studies und der Behindertenrechtsbewegung der 1980er. Fiona Kumari Campbell hat mit „Contours of Ableism“ die Analyse geschärft: Ein Gefüge aus Glaubenssätzen und Praktiken, das normative Körperideale herstellt - und absichert. Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff seit den 2000ern verbreiteter (u.a. durch Arbeiten von Rebecca Maskos). Gleichzeitig: Es gibt bis heute keine einheitliche deutschsprachige Definition, und umfassende Forschung ist rar. Heißt konkret: Wir reden darüber - aber oft mit zu wenig Ressourcen, zu wenig Macht und zu viel Deutungshoheit bei Nichtbetroffenen.
Ableismus im Alltag
Ableismus ist nicht „nur“ ein Attitude-Problem, sondern wird Politik, Architektur und Bürokratie:
- keine Rampen, fehlende Aufzüge, unlesbare Kontraste
- keine Gebärdensprachdolmetscher*innen, keine Untertitel, keine Ruheräume
- komplizierte Antragswege, die Menschen aussortieren
- nicht erreichbare oder nicht barrierefreie Gesundheitsversorgung
Das sind keine Ausnahmen, sondern Struktur. Die UN-Behindertenrechtskonvention macht klar: Teilhabe ist Menschenrecht, keine Gnade. Daraus folgen Pflichten - in Bildung, Arbeit, Gesundheit - Barrieren abbauen, nicht Menschen anpassen (bpb.de: Inklusion als Menschenrecht).
Queere Perspektiven
Klar: Viele in der Community sind behindert, chronisch krank oder neurodivergent. Wenn Bars Stufen haben, Panels ohne Dolmetschung laufen oder Pride-Routen zu lang, zu laut, zu unübersichtlich sind - schließen wir aus. Das betrifft vor allem Menschen, die mehrfach marginalisiert sind (z.B. trans*, arm, migrantisch und behindert). Ableismus verschwindet nicht an der Clubtür. Er zeigt sich in „trotz Behinderung“-Narrativen, im Romantisieren von „Inspiration“, in der Erwartung, still dankbar zu sein. Bessere Community heißt: Barrierefreiheit mitdenken. Immer.
Was du tun kannst
👉 Veranstaltungen barrierefrei planen: stufenfrei, Sitzplätze, Untertitel/Live-Captions, Gebärdensprachdolmetscher*innen, Ruheraum, klare Wegführung, barrierefreie Toiletten, faire Ticketpolitik (Begleitperson frei).
👉 Kommunikation zugänglich machen: Alt-Text, Kontrast, einfache Sprache, Informationen vorab (Ort, Lautstärke, Dauer), Buchungs- und Awareness-Kontakt.
👉 Entscheiden lassen: Betroffene nicht nur „anhören“, sondern bezahlen und entscheiden lassen.
👉 Politik einfordern: Barrierefreiheit in Budgets verankern, Unis/Arbeitgeber*innen/Gemeinden auf ihre Pflichten nach der UN-BRK festnageln.
👉 Alltag ändern: Ableistische Sprüche stoppen, Räume melden, die ausschließen, Alternativen organisieren.
Fazit
Ableismus ist kein Missverständnis, sondern ein System. Wenn wir Barrieren abbauen - räumlich, sprachlich, organisatorisch - schaffen wir echte Teilhabe. Für die Community. Für alle. 🌈









