Vielleicht hast du den Begriff „Queerfeminismus“ schon gesehen - irgendwo zwischen Pride, Uni-Seminar und den ewig gleichen „Genderdebatten“. Aber wofür steht das konkret - und warum ist das politisch so umkämpft?
Bedeutung
Queerfeminismus stellt die Zweigeschlechterordnung und Heteronormativität grundsätzlich in Frage. Er baut auf queertheoretischen Ideen auf (Stichwort: Performativität) und sagt: Geschlecht und Sexualität sind nicht naturgegeben, sondern werden gesellschaftlich hergestellt - und können deshalb verändert werden. Es geht um Selbstbestimmung, Sichtbarkeit und Gleichberechtigung für alle, die von binären Normen ausgeschlossen werden (u. a. dokumentiert von Wikipedia: Queerfeminismus).
Kurz gesagt: Statt „so ist es halt“ fragt Queerfeminismus immer: Wer profitiert von diesen Normen - und wer wird unsichtbar gemacht? 🛑
Herkunft & Kontext
Der Begriff formiert sich in den 1990ern in der dritten Welle des Feminismus. Politisch ist er mit der queeren/LGBT-Bewegung verwoben, deren Mobilisierung oft mit dem Stonewall-Aufstand (1969) erzählt wird. Theoretisch knüpft Queerfeminismus an die Dekonstruktion von „Geschlechtsidentität“ an - weg von starren Rollen, hin zu gelebter Vielfalt.
Wichtig: Die westliche Zweigeschlechterordnung war nie universell. Weltweit existierten und existieren diverse Ordnungen - etwa Two-Spirit in indigenen Kulturen Nordamerikas, Hijras in Südasien (teils rechtlich anerkannt), Fa'afafine in Samoa, Māhū (Hawaiʻi/Tahiti), Fakafifine (Niue), Vakasalewalewa (Fidschi), Binabinaaine (Kiribati/Tuvalu) oder Muxes in Oaxaca/Mexiko (u. a. dokumentiert von der bpb: Kulturelle Alternativen zur Zweigeschlechterordnung). Heißt konkret: Geschlecht ist kulturell verhandelbar!
Dekolonialer Blick
Viele heutigen Strafnormen gegen queere und trans* Leben sind Kolonialimporte aus dem 19./20. Jahrhundert. Britische Kolonialverwaltungen führten z. B. „Sodomie“-Paragraphen ein, die nach der Unabhängigkeit oft übernommen wurden (HRW: Alien Legacy). Wer heute also „Tradition“ beschwört, verteidigt nicht selten koloniale Rechtsreste.
Queerer Kontext
Queerfeminismus verbindet feministische Kämpfe mit Queer-Theorie. Zentral ist die Idee, dass Normen performt werden - und damit auch unterlaufen werden können. Historisch zeigen viele Kontexte, wie Geschlechterambiguitäten sozial verhandelt wurden, etwa im islamisch geprägten Raum mit Begriffen wie mukhannathūn, khunthā oder khanīth (vgl. Identities of a Single Root). Diese Beispiele machen sichtbar: Es gab nie nur eine Art, Geschlecht zu leben.
Politisch heißt das: Pluralität ist kein Sonderwunsch, sondern demokratischer Standard. Autoritäre Geschlechterpolitiken, die Vielfalt zurückdrängen, entdemokratisieren Gesellschaften (siehe bpb: Entdemokratisierung & Geschlechterpolitik).
Wie wir's leben - Beispiele aus der Praxis
Queerfeminismus ist erstmal Theorie, klar. Aber daraus ergibt sich viel Praxis:
- Du hinterfragst „M/F“-Formulare und bestehst auf inklusiven Optionen.
- Du nutzt Genderstern und fragst nach Pronomen - nicht aus Höflichkeit, sondern aus Respekt.
- Du unterstützt Räume, in denen trans, inter, nicht-binäre und queere Menschen sicher sprechen, feiern, arbeiten können.
- Du schaust bei Politik und Projekten: Wer wird mitgedacht? Wer bleibt außen vor?
- Du verbündest dich gegen Backlash - antifaschistisch, queerfeministisch, solidarisch. 🌈
Was du tun kannst
- Höre zu, glaube Betroffenen, teile Plattformen. 🤝
- Sprich in Alltag, Schule, Uni, Job binäre Normen an - niedrigschwellig, aber klar.
- Setze dich für rechtliche Anerkennung jenseits von M/F ein und gegen kriminalisierende Gesetze.
- Nutze Sprache, die Vielfalt sichtbar macht, ohne Zwang und Gatekeeping.
- Verbinde Kämpfe: queer, feministisch, antirassistisch, dekolonial - keine Konkurrenz, sondern Allianzen.
Fazit
Queerfeminismus ist keine Mode, sondern Werkzeug und Haltung: Er macht sichtbar, wie Normen entstehen, wem sie schaden - und wie wir sie verändern. Die gute Nachricht: Vielfalt hat Geschichte. Die bessere: Wir schreiben die Gegenwart um. 👉 Los geht's.


