Ableismus Beispiele im Alltag: Barrieren, Macht, queere Antworten

Ableismus Beispiele im Alltag: Barrieren, Macht, queere Antworten

Ableismus steckt in Stufen, Formularen und Komplimenten, die keine sind. Woher kommt das - und was heißt das für queere Communities? Und vor allem: Wie drehen wir den Spieß um?

Vielleicht hast du es schon erlebt: die Stufe vor der Rampe, der Behördenmarathon für Assistenz, das überschwängliche „So inspirierend!“ fürs ganz Normale. Das hat einen Namen: Ableismus.

Bedeutung

Ableismus (engl. ableism) meint die systematische Abwertung und den Ausschluss von Menschen mit Behinderungen. Dahinter steckt ein Normbild von Körper, Autonomie und Leistungsfähigkeit. Wer davon „abweicht“, gilt schnell als weniger wert - und das zeigt sich überall: durch strukturelle Barrieren (baulich, institutionell, sprachlich), durch Mikroaggressionen und paternalistische Haltungen. Auch übertriebene Bewunderung kann abwerten: „Inspiration Porn“ entmenschlicht, statt zu empowern (u.a. erklärt von der bpb).

Herkunft & Kontext

Die Idee vom „perfekten“ Körper ist historisch gewachsen und wurde in autoritären Ideologien radikalisiert - im Nationalsozialismus bis hin zur Verfolgung und Ermordung von Menschen, die als „lebensunwert“ markiert wurden. Heute wirkt Ableismus als gesellschaftliches System weiter: Barrieren und Vorannahmen strukturieren den Alltag, nicht nur individuelle Einstellungen. Kurz gesagt: Nicht ein paar Vorurteile, sondern ein Machtverhältnis (u.a. eingeordnet von der Amadeu Antonio Stiftung).

Ableismus im Alltag

Heißt konkret:

  • fehlende Zugänglichkeit in Infrastruktur und Räumen (Treppen statt Rampen, unlesbare Infos, keine Ruhezonen)
  • aufwendige und entwürdigende Assistenz‑ und Leistungsanträge
  • institutionelle Rahmen, z.B. Werkstätten mit geringen Löhnen
  • Vorurteile und Hürden auf dem Arbeits‑ und Bildungsmarkt
  • sprachliche Barrieren, Mikroaggressionen, Paternalismus
  • Inspiration Porn“ statt echter Teilhabe

Inklusion ist ein Menschenrecht. Rechtlich verankert u.a. in der UN‑Behindertenrechtskonvention - und politisch in nationalen Inklusionsstrategien, die Barrierefreiheit, Bildung, Arbeit und Teilhabe sichern sollen (überblickt von der bpb).

Queer & Intersektional

Queere Menschen mit Behinderungen erleben Mehrfachdiskriminierung: Ableismus plus Homo‑, Trans‑ oder Queerfeindlichkeit. In Schutz‑ und Empowerment‑Strukturen unserer Communities - etwa bei Gewaltschutz - müssen ihre Perspektiven im Zentrum stehen. Das heißt: barrierearme Räume, verständliche Kommunikation, Begleitung, Care. Hinweise und Empfehlungen findest du u.a. beim LSVD und zu Intersektionalität bei 100 % MENSCH.

Was du tun kannst

👉 Kurz gesagt: aktiv werden, statt warten.

  • Frag nach Bedarfen statt zu raten. Nichts über uns ohne uns.
  • Plane Räume, Events und Kommunikation barrierearm - von der Rampe bis zur Sprache.
  • Vermeide „Inspiration Porn“; respektiere Autonomie statt Paternalismus.
  • Setz dich politisch ein: Entbürokratisierung von Assistenz, faire Löhne, echte Bildungs‑ und Jobchancen, konsequente Umsetzung der UN‑BRK.

Fazit: Ableismus ist kein Missverständnis, sondern ein System. Wir können es ändern - solidarisch, intersektional, und mit Druck für echte Barrierefreiheit und Teilhabe für alle.

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